Es ist Abend, im Hintergrund läuft YouTube mit “Night Jazz in Paris” und ich groove mich noch für ein Stündchen Arbeit ein. Vorhin noch ein wenig LinkedIn gecheckt. Yay! Jenny Gruner, Director Digital Marketing bei Hapag-Lloyd, taucht in meinem Feed auf. Die Süddeutsche hat vor wenigen Tagen eine “Nahaufnahme” der gebürtigen Rostockerin publiziert. “Prima!”, denke ich mir und klicke auf den verlinkten Artikel, Headline Kapitäns-Enkelin an Bord. Ein guter Text, dennoch fehlt mir die Tiefenschärfe, die ich bei einem Personen-Porträt erwarten würde.

Auf der Überholspur

Jenny Gruner mag hinsichtlich Schifffahrt (noch) in einer Männerdomäne arbeiten, doch ihr Studium der BWL mit Schwerpunkt Marketing und HR zeigt auf den ersten Blick erstmal einen gängigen Weg. Auch, dass Jenny im digitalen Marketing arbeitet, ist als Frau nicht so ungewöhnlich, in den letzten zehn bis 15 Jahren hat es in jeder Form des Marketings eine Art “female explosion” gegeben und Frauen erobern nun endlich  auch die Top-Jobs! Und ja, die Schifffahrt ist, so das Mantra, männlich dominiert, aber halt nicht in allen Arbeitsbereichen, schon gar nicht dort, wo Marketing Director Gruner mit agilen Teams weltweit arbeitet.

Engagiert! Jenny Gruner von Hapag-Lloyd macht auch medial Furore

Jenny Gruner hat einen viel spannenderen Weg hinter- und sicherlich  noch vor sich, als der SZ-Artikel vermuten lässt.  Nachdem ich den SZ-Text gelesen habe, schaute ich mir nochmal mein Entscheider:in Interview mit Jenny für ADZINE an, das Anfang Januar 2020 erschienen ist:

Wie Jenny Gruner das Marketing von Hapag-Lloyd digitalisiert.

Mir wird wieder bewusst, warum ich Interviews so gern mag. Formal werden im Journalismus drei Arten von Interviews unterschieden: 1. Sachinterview, 2. Meinungsinterview und 3. Personeninterview. In meiner ADZINE-Serie stehen die Personen als Expert:innen im Vordergrund, d.h. ich habe eine Mischung aus Personen- und Sachinterview.

Die Personality muss rüberkommen

Am wichtigsten ist mir, dass die Persönlichkeit der interviewten Person rüberkommt. Das geht am besten, wenn man sich für ein Gespräch trifft oder zumindest miteinander telefoniert oder einen Video-Call hat. Sich allein via E-Mail auszutauschen mache ich nur, wenn wirklich nichts anderes geht, bzw. die Interviewten es nicht anders wollen. – Was selten vorkommt, aber es kann vorkommen. – Das Gespräch, das ich mit Jenny Gruner für ADZINE geführt habe, war mein letztes Vor-Ort-Interview für die Marketing Entscheider:innen-Serie. Dann kam die Corona-Pandemie, leider ist diese noch immer da.

Um zum Ende noch auf meine Headline-Frage einzugehen, von wegen Porträt oder Interview: Ein Personen-Interview ist ein Porträt. Selbstverständlich steht ein tolles Porträt einem Interview in nichts nach, ich mag es ebenso gern, journalistische Porträts zu schreiben. Die Basis hierfür bleibt für mich dennoch das Gespräch, der Dialog und eine gewisse Sensitivität.

Apropos Schifffahrt, Hafen und Männerdomäne: In Hamburg gibt es ein einzigartiges Open-Air-Museum, die FrauenFreiLuftGalerie, die die Arbeit von Frauen im (Hamburger) Hafen und zur See thematisiert. Und wem das nicht reicht: Seit dem 1. Januar 2017 ist Angela Titzrath Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Geht doch. Geht alles! Auch Schreiben in der Mai-Nacht. Mit Night Jazz in Hamburg 🎷🎹.