Der Teil und das Ganze

Es gibt so einiges, das ich mir beruflich für das neue Jahr wünsche. Wenn ich meine vielen kleinen und großen Wünsche aber auf einen einzigen Wunsch fokussieren sollte, dann wäre dieser folgender: Menschen wieder direkt begegnen zu können. Von Angesicht zu Angesicht. Mehr als ein Haushalt. Mehr als zwei Haushalte. Wieder auf Events zu gehen, Interviews vor Ort führen zu können, Kunden besuchen, sich zum Lunch verabreden, durch die Gegend düsen …  Und zwar ohne, dass ich meine Begegnung übers Jahr gesehen an zwei Händen abzählen kann. Deswegen war ich auch beschwingt, dass ich kurz vor Jahresende noch Deutschland-Chef Ekkehard “Ekke” Schlottbohm von meinem PR-Kunden PubMatic zum Lunch treffen konnte.

Zusammen mit Leonhard “Hardy” Sauer, Associate Director, Advertiser Solutions, den ich bislang nur von Calls, Zoom-Meetings und Mails kannte.

People’s business

Getroffen haben wir uns vor WeWork, HanseForum, das schräg gegenüber dem ikonischen Axel-Springer-Gebäude seinen Standort hat. Hier, in der fünften Etage, sitzt seit 2019 das Hamburger Office (es gibt noch München und Berlin), in der sechsten Etage sitzt übrigens Microsoft.  Zuvor war PubMatic in der HafenCity. Mit Maske auf ging es in eines der vielen Neustadt-Restaurants, um sich etwas “to go” zu holen.

PR-Meeting mit PubMatic GER

Geschafft! Noch vor dem harten Lockdown haben die Herren Schlottbohm, Sauer und ich ein kombiniertes PR-Lunch-Meeting in der Caféteria von WeWork gehabt.

Mir gefällt der neue Standort besser. So spannend die HafenCity  als neuer Stadtteil auch ist, irgendwie ist man ein wenig “ab vom Schuss”. – WeWork HanseForum gehört zur kleinen, quirrligen Neustadt, die trotz Lockdown light tagsüber noch einigermaßen belebt ist. Was sich zum harten Lockdown natürlich noch einmal verändert hat. Dennoch bin ich mir sicher, dass es auch dann noch Menschen gibt, die, wenn sie die geforderten Abstandsmöglichkeit und Sicherheitsvorkehrungen im Office einhalten können,  es zumindest tageweise vorziehen, im Büro zu arbeiten und nicht im Home-Office. Und sei es, weil man ggf. durch Glaswände hindurch, andere Menschen sehen kann. Wie das bei WeWork der Fall ist. Auch eine Caféteria bringt kurzfristig neue Inspiration … Schließlich ist und bleibt unser Business ein people’s business.

Dennoch: Sicherheit geht vor, ohne Frage. Und gerade US-amerikanische Unternehmen wie PubMatic haben sehr schnell bzgl. Mitarbeitersicherheit reagiert.

Starker Endspurt: PubMatic expandiert nicht nur an der Börse

PubMatic CEO Rajeev Goel und ich in Hamburg (2019). Danach gab’s ein d3con Podcast-Gespräch mit Goel

Ich bin jedenfalls auch im Rückblick happy, dass wir es noch vor dem harten Lockdown geschafft haben, uns zu treffen. Unter normalen Umständen hätten wir auch gefeiert, nämlich den erfolgreichen IPO von PubMatic an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq. Als guter Jahresabschluss sind auch die ADZINE LIVE Talks zu bewerten, an denen sowohl Ekke Schlottbohm wie auch Hardy Sauer teilgenommen haben.

Es ist gut zu sehen, dass die jeweilige Arbeit Früchte trägt. Die guten PubMatic-Perspektiven zeigen sich auch daran, dass das US-Unternehmen auch in Zeiten von Covid-19 weltweit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sucht und einstellt. Auch in Deutschland, vor allem in München, wird nach engagierten Teamworkern gesucht, Frauen haben im AdTech-Business von PubMatic gerade besonders gute Karten. Selbstveständlich sind auch Männer willkommen. Wer also Interesse hat, schickt einfach eine E-Mail an centraloffice@pubmatic.com. Oder meldet sich bei mir, ich leite es gerne weiter.

Auf gute Zusammenarbeit!

Last but not least: Auch, wenn die Covid-19-Pandemie zu einem lang ersehnten Digitalisierungsschub in Deutschland geführt hat, sich u.a. unsere AdTech-Branche durch viele innovative Alternativ-Formate bzgl. Digitalevents auszeichnet, hoffe ich sehr, dass wir uns branchentechnisch und gesellschaftlich im Laufe von 2021 wieder so begegnen können, wie wir es vor der globalen Pandemie gewohnt waren. Dabei gehört Remote-Arbeit seit jeher zu unserem Geschäft. Im Land Digitalien war das immer ein Teil des Erfolgs  – aber niemals das Ganze. In diesem Sinne: Ich freue mich schon jetzt, wenn ich  Kunden, Medienpartnerinnen, Interviewpartner etc. bald wieder direkt treffen kann. Bis dahin freue ich mich auf eine gute Zusammenarbeit und eine produktive und innovative Zeit via Calls, Video, Mails, Messenger-Dienste.

Happy New Year 2021!

 

 

Ich freue mich auf den Monat September. Dann erscheint ein Portrait von mir, das ich über eine der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen im deutschsprachigen Raum geschrieben habe: Kirsten Boie. Und weil ich  nicht so lange warten will und nicht alles ins Portrait passte, fange ich den ersten Blogbeitrag auf meiner relaunchten Webseite mit Hamburgs Ehrenbürgerin an.

Gibt es Zufälle? Je älter ich werde, desto weniger glaube ich daran, ohne jetzt der Meinung zu sein, dass alles im Leben vorherbestimmt sei. So ist es nicht. Aber irgendwie stimmte das Timing, die Synchronizität, es lag etwas in der Luft. Das fängt schon mal damit an, dass La Boie und ich auf dasselbe Gymnasium in Hamburg gegangen sind. Elise-Averdieck-Gymnasium, kurz EAG. Natürlich zu unterschiedlichen Zeiten. Als die heute vielfach preisgekrönte Schriftstellerin die Schule besuchte, war das EAG noch ein reines Mädchengymnasium in Barmbek. Außerdem eine Schule, indem viele Pastorentöchter und sonstige Mädels aus „gutem bürgerlichen Hause“ ihr Abitur machten und lange Wege dafür in Kauf nahmen, um dort hinzufahren. So erzählte es mir Kirsten Boie.

Rückblende: Schultalk

Wie sie mir während unseres Gesprächs sagte, ging es ziemlich elitär zu, und so richtig wohl hat sich Kirsten Boie erst gefühlt, als sie wegen des familiären Umzugs auf ein anderes Gymnasium in einen anderen Stadtteil ging, ich glaube es war Richtung Wandsbek-Gartenstadt. Dort sei die soziale Durchmischung größer gewesen, wobei man sagen muss, dass das mit heute natürlich nicht zu vergleichen ist. Wer in den 1950er oder auch 1960er Jahren Abitur gemacht hat, und dann noch als Mädchen, gehörte schon zu einer auf den Bildungskanon bezogenen Elite, in der kulturelle Vielfalt noch ein Fremdwort war, weil so gut wie nicht existent. Das sich weiterführende Schulen und Universitäten für alle Kinder und Jugendlichen wirklich öffnen, sollte erst im Laufe der 1970er Jahre geschehen. Aso während meiner Schulzeit und damit im Nachgang der Studentenproteste Ende der 1960er Jahre.

„Das EAG war hochpolitisch, es gab eigentlich immer irgendwie Randale“, erzählte ich Kirsten Boie in unserem Skype-Gespräch. Sie konnte es fast nicht glauben … „Das muss für die älteren Lehrerinnen ja schrecklich gewesen sein“, meinte sie lachend. Hm, darüber habe ich mir damals natürlich keine Gedanken gemacht, ich und viele andere Kinder waren froh, als die gestrenge Schulleiterin Dr. Karla Brück in den Ruhestand gegangen ist. Mein gymnasialer Schuljahrgang war der letzte, der noch aufstehen musste, wenn eine Lehrkraft den Klassenraum betrat, ebenso aufstehen musste, wenn wir eine Frage zu beantworten hatte. Zumindest bei Frau Brück. Als ich in die sechste Klasse kam, war sie weg.

Die Elise-Averdieck-Schule – Gymnasium mit neusprachlichem und sozialwissenschaftlichem Zweig, bekam einen neuen Schuldirektor. Dietrich Budack, der zuvor als Lehrer im traditionsreichen Johanneum tätig war, eines von Hamburgs ehemaligen Jungsgymnasien.

Doch was ich eigentlich schreiben wollte, ist noch etwas anderes, etwas das passierte, bevor die Autorin von den Lena-Büchern, dem kleinen Ritter Trenk, oder einem Schwein namens King-Kong und ich zu unserem Gespräch fanden, das, Pandemie Covid-19 bedingt, via Skype stattgefunden hat, wie ich bereits erwähnte.

So wirklich ist die Wirklichkeit

Nur wenige Tage vor unserem Termin war ich auf dem kleinen Markt in Ottensen, am Spritzenplatz, unweit vom Bahnhof Altona. Es war Freitag und ich stand – mit entsprechendem Sicherheitsabstand – in einer Warteschlange eines meiner favorisierten Gemüse- und Obsthändler, es war Spargelzeit. Während ich dort so rumstand, versuchte ein Hinzt und Kunzt-Verkäufer neben der Obdachlosenzeitung einige Bücher zu verkaufen, die er dabeihatte und hochhielt. Ich schaute, schaute nochmal. Nicht zu fassen! Ich lese einen Namen: „Kirsten Boie“ steht auf den Büchern. Ich lasse Gemüse Gemüse und Spargel Spargel sein und kaufe das Büchlein „Ein mittelschweres Leben – Ein Kinderbuch über Obdachlosigkeit“, das Boie nach einer Idee von Isabelle Erler und Cordula Thörner geschrieben hat, mit Illustrationen von Jutta Bauer

Neben diesem habe ich bereits einige weitere Bücher von Kirsten Boie gelesen. Irgendwie tut es mir Jugendliteratur in diesem Jahr an, ich kann mich noch selber gut daran erinnern, wie wichtig diese für mich als Kind und als Teenager war. Lesen habe ich immer geliebt. Schreiben auch. Beides beflügelt meine Phantasie, wobei Schreiben natürlich immer Kommunikation ist, etwas, das auf ein Du ausgerichtet ist, auch dann, wenn man dieses nicht benennen kann.

Das letzte Buch, was ich von der promovierten Literaturwissenschaftlerin las, ist Skogland. Was mich gereizt hat, das Buch in die Hand zu nehmen und vom Fleck weg in der leider seit Anfang Juli geschlossenen Hugendubel Buchhandlung im Mercado zu kaufen, war nicht so sehr die Prinzessinnenstory (auf die Mädchen wohl noch immer stehen), sondern dass der Aufhänger eine Film-Geschichte ist.

Jarven, eine der Hauptfiguren der Story, ist schüchtern, traut sich wenig zu und kommt plötzlich in die letzte Runde eines Film-Castings, das sie in das Land Skogland bringt, wo darüber entschieden werden soll, ob sie jetzt der Superstar des Films werden soll. Ohne viel zu verraten: Es ist eine wunderbar erzählte Story, die Abenteurer, Krimi und Thriller in einem ist. Mit Fragen, die einfach brandaktuell sind, beispielsweise die Macht oder auch Ohnmacht von Medien, die Manipulation durch Herrschaftseliten, die Gefahr durch Diktatur, Unterdrückung von Minderheiten im Besonderen und Menschen im Allgemeinen. Die Ausbeutung von Menschen, die Ausbeutung von Natur – und damit verbunden, menschliche Skrupellosigkeit. Und dass das Gute siegt, siegen kann. Im Menschen. Doch dafür muss man auch was tun. Ich freue mich schon darauf, den zweiten Band zu lesen, „Verrat in Skogland“.

Ja, ich freue mich auf meine anstehende Veröffentlichung, die ich für explore life geschrieben habe.  Meine Auftraggeberin fand das Portrait so klasse, dass sie mich baten, dieses in die englische Übersetzung zu geben und international, außerhalb des deutschsprachigen Raums, online zu publizieren. Klar habe ich „ja“ gesagt.